Wo sollten Geschichten spielen

Gestern gab es auf Twitter, ausgelöst du diesen Blogpost, eine Diskussion darüber wo Geschichten spielen sollten bzw. ob es sinnvoll ist als deutscher Autor seine Geschichten nach Amerika zu verlegen. Ich hatte mir dazu auch ein paar Gedanken gemacht und auch schon mit Anna darüber gesprochen. Doch da ich gerade in Schreiblaune bin will ich das auch mal noch hier festhalten.

 

Erfolg

Natürlich stellt sich die Frage warum viele Autoren ihre Geschichten in die USA verlegen. Dabei glaube ich nicht mal, dass es vorrangig passiert weil man die United States so gern hat. Sicherlich könnte das bei einigen Autoren der Grund sein. Doch ich denke ehr, dass man versucht sich auf diese Art ein größeres Publikum zu erschließen. Amerika ist der Masse durch Film und Fernsehen „bekannt“ oder man glaubt zumindest es zu kennen. Auf der anderen Seite wirkt Deutschland relativ sperrig und ist von Vorurteilen durchzogen. Zumindest im Ausland. Auf der anderen Seite beruhen diese aber auch darauf, dass Deutschland nur selten als Schauplatz für Handlungen herhalten muss. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz.

Ich denke aber auch, dass Amerika gewählt wird weil man sich auf diese Art mehr Erfolg verspricht. Vielleicht wird das Buch irgendwann mal international erfolgreich?  Dann wäre Amerika der bessere Handlungsort.

Die Frage ist aber auch, welcher von diesen Autoren es jemals schaffen wird eines seiner Werke außerhalb von Deutschland zu vertreiben. Sofern man nicht direkt auf englisch schreibt hat man es da vermutlich extrem schwer übersetzt zu werden. Wie ich gestern gesehen habe wurde selbst die in Deutschland extrem erfolgreiche „Die Elfen“ Reihe von Bernhard Hennen erst 2015 von Amazon übersetzt. 11 Jahre nach dem Erscheinen.

Wenn selbst so erfolgreiche Autoren ihre Probleme haben aus dem Schatten des deutschen Marktes zu treten, dann glaube ich nicht, dass kleinere Autoren sich über diese Dinge überhaupt Gedanken machen sollten.

 

Glaubwürdigkeit

Die Probleme die ein fremder Schauplatz mit sich bringt liegen auf der Hand. Es fällt relativ schwer die kulturellen Feinheiten einer Region zu erfassen. Wenn man sich allein anschaut, dass Berliner in Deutschland  oft mit anderen Wesenszügen verbunden werden als Schwaben. Dass die Ostfriesen eine andere Kultur pflegen als Bayern. Und damit hätten wir nur die größten regionalen Unterschiede abgedeckt. Im Kleinen setzt sich das fort und ein Berliner auf Friedrichs Hain wird sich als anders wahrnehmen als ein Berliner aus Prenzlauer Berg oder Neuköln. Selbst auf den Dörfern gibt es schon Unterschiede selbst wenn beide direkt nebeneinander liegen.

Wenn man hier lebt und aufgewachsen ist wird man solche Feinheiten erkennen. Man kann sie für sich und seine Geschichten nutzen, so an Glaubwürdigkeit gewinnen und eine dichtere Atmosphäre erzeugen. Schreibt man hingegen über ein fremdes Land so muss man sich eingestehen, vieles der spezifischen Kultur nicht zu begreifen.

Das ist kein Beinbruch und auch nicht schlimm. Nur sollte man sich vielleicht auch überlegen ob es wirklich ein elementarer Bestandteil der Story ist oder ob der Handlungsort eigentlich keine Rolle spielt. Sollte letzteres der Fall sein so würde ich mich auf das Besinnen was ich kenne und es als Vorteil nutzen.

 

Spaß

Ich kann mir aber auch vorstellen, dass gerade der Reiz darin liegt auch eine andere Kultur zu erforschen und sich damit zu beschäftigen. Will man seine Handlung an einem bestimmten Ort spielen lassen so ist Recherche notwendig. Gerade das kann aber auch einen großen Teil der Faszination ausmachen.

Da es beim Schreiben auch gerade um Spaß geht, sollte man auch eben genau das haben. Und wenn es dem Autor Spaß bereitet sich in ein anderes Land zu denken, mehr über die Menschen zu erfahren und vielleicht sogar die Orte selbst zu besuchen… dann ist das für mich ok. So lange wie die Geschichte in sich stimmig ist und sich daraus keine Logik-Fehler ergeben kann sich jeder über das schreiben was er will.

 

Fazit

Abschließen würde ich also sagen, dass Geschichten dort spielen sollen wo es der Autor für richtig hält. Gleichzeitig sollte man sich aber auch klar machen, dass vermutlich kein Ort soviel Potential für Detailverliebtheit und Glaubwürdigkeit besitzt wie die eigene Heimat.

4 Gedanken zu „Wo sollten Geschichten spielen“

  1. Also ich glaube wirklich nicht, dass der Handlungsort so viel zu Erfolg oder Misserfolg eines Buches beiträgt. Ich persönlich habe noch nie ein Buch danach ausgewählt, wo es spielt. Denn wo es spielt ist mir relativ egal, solange die Geschichte gut ist.

    Ich denke die Glaubwürdigkeit und auch die Notwendigkeit sind da ausschlaggebender.
    Wenn es für die Geschichte relevant ist, dann macht es vermutlich durchaus Sinn eine Geschichte z. B. in die USA zu verlegen. Dann muss man aber auch seine Hausaufgaben machen und entsprechend recherchieren. Denn ich denke mit den allgemeinen Film- und Serienklischees kommt man da nicht weit. Bzw. wirkt das dann natürlich sehr schnell abgedroschen.
    Ich stelle da mal Dan Brown voran, mit dem ich z. B. schon in Rom war und im Vatikan, obwohl ich noch nie da war. Was Ortsbeschreibungen angeht, halte ich ihn wirklich für einen Meister.

    Der Vorteil eines deutschen Handlungsortes für deutsche Autoren liegt da doch klar auf der Hand. Hier kennt man sich aus, kennt Sitten und Gepflogenheiten und kann diese wenn nötig, überzeugend mit einbinden. Kann einem auch ausländischen Leser auf eine wunderbare Reise durch das Land mitnehmen.

    Letztendlich zählt wohl, dass der Ort zum Geschehen und den Figuren passt. Ansonsten kann Recherche oder auch Erfahrung noch so gut sein und es wirkt einfach nicht. Dann hilft alles nichts.

    1. Der Post ist halt aus dem Gespräch mit Anna (RIP) und einigen anderen entstanden. Es gab auch auf Twitter am Tag davor eine relativ große Diskussion zu dem Thema wo sich viele die ihre Geschichten in den USA spielen lassen von dem Beitrag von Anna angegriffen fühlten.

      Ich mag die Bücher von Dan Brown auch sehr gern und man merkt wirklich mit wie viel Leidenschaft er sich für die Orte und ihre Geschichte interessiert.

      Ich kenne aber auch genug Negativbeispiele wo es aber genau umgedreht ist. Auch oder vielleicht auch gerade, aus dem Bereich der deutschen Hobby-Autoren wo ich schon das eine oder andere gelesen habe. Viele machen es sich da oft unnötig schwer bzw. wollen sie direkt zu viel.

      Wenn ich an meine Schreibversuche denke, dann waren oft die Geschichten am besten die nichts Großartiges in sich trugen. Geschichten die von dem handelten was ich kannte und vielleicht so ähnlich sogar selbst erlebt hatte. Gerade das schreiben von einfachen Geschichten hat mich viel darüber gelehrt was ich bei komplexen Fantasy Sachen falsch mache 😀

      Ich möchte aber auch niemanden vorschreiben wie und was er schreiben soll. Viel mehr fand ich eigentlich die Diskussion interessant und bin auch ein wenig froh, dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte, dass die Leute darüber reden und nachdenken 🙂

      Btw. hier noch ein Link zu einem Beitrag der aufbauend zu meinem erschienen ist bzw. den ich mir von ihr gewünscht habe. Dort stehen auch noch 1-2 Sachen die ich selbst nicht auf dem Schirm hatte:

      http://weltkonstrukte.weebly.com/blog/du-bist-deutsch-da-muss-dein-roman-in-deutschland-spielen-gedanken-einer-deutschen-autorin-deren-geschichten-nie-in-deutschland-spielen

      1. Unbedingt. Da muss jeder seinen eigenen Weg gehen und ausprobieren und Erfahrungen machen.

        Als ich jünger war, da spielten all meine Geschichten auch immer in amerikanischen Vororten und High Schools. Weil ich das einfach irgendwie cooler fand. Alles was mich irgendwie begeisterte, kam aus Amerika. Klar, dass ich davon dann irgendwie geprägt war und auch unbedingt wollte, dass meine Figuren super cool ihre Schulbücher in den Spind pfeffern können. Ich hab erst später begriffen, dass man auch in einer deutschen Schule seinen Rucksack mit Büchern genervt auf den Tisch knallen kann. 😉

        Mittlerweile ist es so, dass ich die Handlungsorte gar nicht unbedingt benenne. Sie ähneln Orten, die ich kenne, die ich entsprechend beschreiben kann und machen Sinn für die Geschichte, sind aber meist namenlos und vielleicht sogar fiktiv. Eine Mischung aus verschiedenen Orten, die mich irgendwie geprägt und beeinflusst haben.

        Danke für den Link. 🙂

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